• Startseite
  • Presse
  • Inhalte
  • „Es ist wichtig, die eigene Zukunft mitzugestalten“: Das sind die beim Kinder- und Jugendpreis 2017 ausgezeichneten Projekte

„Es ist wichtig, die eigene Zukunft mitzugestalten“: Das sind die beim Kinder- und Jugendpreis 2017 ausgezeichneten Projekte

Grolße Freude bem Siegerprojekt aus Zeulenroda-Triebes

Erfurt,26. Oktober 2017. Juliane Prasse kann es nicht fassen. „Die meinen uns“, flüstert sie ihrem Nachbarn zu. Sie schlägt die Hände vorm Gesicht zusammen, ist überglücklich. „Ich kann es noch immer nicht richtig glauben“, sagt sie auch wenige Minuten später, als sie und ihre Mitstreiter von Ministerpräsident Bodo Ramelow die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung als Siegerprojekt beim diesjährigen Kinder- und Jugendpreis der Paritätischen BuntStiftung und der Sparkassen Finanzgruppe Hessen-Thüringen ausgezeichnet werden. Geehrt wird damit das von den Beteiligten beim Kinder- und Jugendclub Römer e.V. in Zeulenroda-Triebes vehement vorangetriebene Projekt eines Kinder- und Jugendparlaments in der Stadt.


Das offizielle SiegerfotoJustin Wagner ist einer der jungen Leute, die sich dabei engagieren. „Es macht einfach Spaß dort mitzuarbeiten“, sagt er, nachdem sich die Delegation aus Zeulenroda-Triebes zum Sieger-Gruppenfoto mit Ministerpräsident, dem Geschäftsführer der Sparkassen Finanzgruppe, Thomas Wagner, der Präsidentin der Paritätischen BuntStiftung, Evemarie Schnepel, und Jury-Mitglied Matthias Hey aufgestellt haben. „Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche ihre eigene Zukunft mitgestalten“, so Justin Wagner. „Denn wir sind die Zukunft“, fügt er selbstbewusst hinzu.
„Mit großem Engagement treiben sie ihr Projekt der Gründung eines Kinder- und Jugendparlaments in Zeulenroda voran“, unterstrich der Ministerpräsident in seiner Laudatio. Er ließ dann die Geschichte des Vorhabens – von der Luftballonaktion am Beginn über den Zeichenwettbewerb und einen Workshop in den Herbstferien – Revue passieren. Was die Jury besonders beeindruckt hatte: „Mit Verve, Geduld, Ausdauer und einer gehörigen Portion Nervenstärke wird das Vorhaben vorangebracht.“ Ramelow bescheinigte dem Projekt, auf einem guten und erfolgreichen Weg zu sein. Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe aus jungen Leuten an einer Satzung für das Kinder- und Jugendparlament.
Der Kaos-Clown moderierte die VeranstaltungDer  Erfurter Kaos-Clown Conrad Wawra (Bild) verzauberte die Gäste mit Witz und  Ironie. Bei der  Veranstaltung gab es insgesamt acht Nominierungen für den Preis. Vergeben wurden zwei zweite Preise. Und die weiteren nominierten Projekte wurden mit einem Sonderpreis ausgezeichnet, weil sie alle für den Grundgedanken des Wettbewerbs – „Es ist Deine Zukunft – Mitgestalten ist einfach“ – überzeugend stehen.


Ministerpräsident Bodo Ramelow appellierte in seiner Festrede an die Jugendlichen, alles zu tun, um die Welt besser zu machen. „Wenn wir immer sagen würden, das geht doch nicht, das haben wir schon immer so gemacht und uns gegen jede Veränderung sperren würden, dann würden wir heute vermutlich noch im Mittelalter leben.“ Veränderung sei aber auch immer mit Ängsten verbunden. „Angst ist zum einen notwendig, um auch Respekt vor den anstehenden Aufgaben zu bekommen“, sagte Ramelow. „Angst ist aber auch Momentum, um Kraft zu speichern, wenn man es lernt, mit der Angst umzugehen.“ Er machte den jungen Menschen in Thüringen ausdrücklich Mut, die Gesellschaft mit ihren Ideen und Initiativen mitgestalten und verändern zu wollen. „Manchmal muss man sich diesen Raum zum Mitmachen aber auch erkämpfen“, so Ramelow.

Zweiter Platz für das Theaterprojekt aus GothaDas Theaterstück ,Die Würde des Menschen ist unfassbar‘ wurde mit einem der beiden mit jeweils 3000 Euro dotierten zweiten Preise ausgezeichnet. „Es macht all jenen Mut, die sich mit der Welt, in der wir leben auseinandersetzen, die diese Welt mitgestalten wollen.“ So würdigte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Matthias Hey, die Theatermacher von „Art der Stadt Gotha“. „Gerade in der heutigen Zeit ist es dringender denn je, sich mit dem Begriff der Menschenwürde auseinanderzusetzen“, hob Hey hervor. „Menschenwürde steht für unsere gesamte Werteordnung, für Toleranz, Vielfalt und Demokratie“. Deshalb sei es gut, dass junge Menschen sich mit diesem Thema auseinandersetzten, „in einer witzig-tiefsinnigen Zeitanalyse, einem amüsanten Rundumschlag, der aufbaut und Mut machen will“, so Hey. Das Theaterstück zeige, dass alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter oder sexueller Orientierung denselben Wert hätten, dass sie alle gleich-wertig sind. „Jeder Mensch hat seine eigene Würde, die sich allein aus seinem Menschsein ableitet.“
Zweiter Platz für den KinderschutzbundEin weiterer zweiter Preis ging an den Landesverband des Kinderschutzbundes für das Projekt Lebens(t)raum. Die Thüringer Kitas sind „Kinderstuben der Demokratie“ , in denen Kinder möglichst früh erfahren sollen, was das Recht auf Beteiligung bedeutet. Das Projekt „Lebens(t)raum“ treibt dieses Thema in Thüringen voran.
In ihrer Laudatio hob die Präsidentin der Paritätischen BuntStiftung, Evemarie Schnepel, hervor, dass es in den Kitas als „Kinderstube der Demokratie“ um die Vermittlung von Haltung gehe. „Es geht darum, dass die Kinder sich zuständig fühlen für die eigenen Belange und die Belange der Gemeinschaft. Es geht um die Kompetenz, die eigenen Interessen vertreten zu können. Derartige Haltungen und Kompetenzen entwickeln sich sehr früh.“ In den beteiligten Kitas werden die pädagogischen Fachkräfte entsprechend qualifiziert, so dass sie die Interessen der Kinder und deren Anliegen vertreten und wahrnehmen können. Auch werden die Kinder bei Planung und Ausführung des Vorhabens stets einbezogen.

Die fünf weiteren nominierten Projekte wurden mit einem jeweils mit 400 Euro dotierten Sonderpreis ausgezeichnet. Der Geschäftsführer der Sparkassen Finanzgruppe Hessen-Thüringen, Thomas Wagner, stellte die ausgezeichneten Projekte vor.
Sonderpreis für das Medienprojekt der Schule Roßleben„Weil das Thema so entscheidend für die Ausgestaltung einer lebendigen Demokratie ist, erhält das Projekt der Regelschule Gerhart Hauptmann aus Roßleben einen Sonderpreis verliehen.“ So begründete die Jury des Thüringer Kinder- und Jugendpreises die Vergabe der Auszeichnung an ein Medienprojekt unter Leitung des Sozialkunde- und Geschichtslehrers Andrei Fischer. „In einer Situation, in der Stichworte Fake News oder Lügenpresse in der öffentlichen Debatte herumgeistern, ist es umso wichtiger, jungen Menschen die Bedeutung von Medien und deren Rolle im demokratischen Entscheidungsprozess deutlich zu machen“, würdigte Wagner das Projekt der Schule. So konnten die Schülerinnen und Schüler an einem konkreten Fallbeispiel die Folgen der Einschränkungen für freie Presse bearbeiten. Außerdem wurde die Kommunikation der Parteien im Wahlkampf unter die Lupe genommen. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren auch, wie durch gezielte Auswahl bzw. das Weglassen von Informationen und Bildern die Nutzer systematisch beeinflusst und manipuliert werden können. Andrei Fischer, aber auch die mitgereisten Schülerinnen und Schüler, Melissa, Antonia und Benjamin, sprachen sich am Rande der Veranstaltung dafür aus, dass an den Schulen in Thüringen noch mehr über die Nutzung von Medien gelehrt wird.
Sonderpreis für das Karikaturenprojekt der Petrischule MühlhausenMit der Petrischule Mühlhausen wurde ein weiteres Schulprojekt ausgezeichnet. „Die an der Petri-Schule in Mühlhausen entstandenen Karikaturen sind eindrucksvolle Beispiele dafür, wie unsere Kinder denken, welche Themen ihnen wichtig sind und welche Probleme sie gelöst haben möchten,“ heißt es in der Begründung der Jury. In seiner Laudatio unterstrich Thomas Wagner, dass die Jury die Karikaturen, die in den Klassen 5 bis 10 der Schule entstanden sind, als „sehr überzeugend“ empfunden habe. Angeschnitten werden in den Zeichnungen der Schülerinnen und Schüler sowohl die aktuelle US-Politik unter Präsident Donald Trump wie auch Probleme wie Unterrichtsausfall oder Schulreformen, die die Schülerinnen und Schüler direkt betreffen. Das Projekt unter Leitung der Kunsterzieherin Pia Schulze hat den Teilnehmenden „viel Spaß“ gemacht, unterstrichen die Schüler Leon und Kevin vor der Preisverleihung. Vor allem hat sie auch die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Problemen fasziniert.
Sonderpreis für das Radioprojekt mit Geflüchteten aus ErfurtEine „eindrückliche und eindringliche Radiosendung“ (so die Jury) wurde mit einem weiteren Sonderpreis ausgezeichnet. Es handelt sich um das Projekt „Demokratie aktiv erleben“ der Walter Gropius Schule, des Vereins MitMenschen e.V. und von Radio F.R.E.I. Elf Schüler der Sprachklasse der Schule aus Syrien, Afghanistan und dem Iran setzen sich in der Sendung mit dem Thema Demokratie auseinander. „Das Projekt zeigt, dass die jungen Geflüchteten mitgestalten wollen und aktiv an ihrer neuen Lebenswelt teilnehmen wollen“, so Thomas Wagner in seiner Laudatio. Die elf jungen Leute haben mit Mitgliedern des Stadtrates und des Stadtjugendrings gesprochen und sie haben Passanten auf der Straße befragt. Sie haben sich nach Möglichkeiten des demokratischen- und zivilgesellschaftlichen Engagements junger Menschen in Erfurt erkundigt. „Die daraus mit Unterstützung von Radio F.R.E.I. entstandene Sendung zeigt, wie wichtig den jungen Menschen Demokratie und demokratische Erfahrungen sind,“ so Wagner.
sonderpreis für das Jugendprojekt des Landkreises SömmerdaAls eine Ermutigung für andere Kreise in Thüringen, es dem Kreis Sömmerda gleichzutun bewertete die Jury die Vergabe eines Sonderpreises an das Projekt „Jugend lebt – Jugend bewegt“ des Landkreises Sömmerda. Der 1. Beigeordnete Hendrik Blose und Jugendamtsleiterin Marina Weise-Watzke sowie ASB-Geschäftsführer Christian Karl nahmen die Auszeichnung entgegen. Wagner unterstrich in seiner Laudatio, dass in dem Projekt Jugendliche „auf Augenhöhe“ an kommunalen Entscheidungen beteiligt werden. Der ASB Sömmerda als Teil des Vorhabens hatte das Projekt für den Preis vorgeschlagen. „Durch intensive und regelmäßige Gespräche auch mit freien Trägern der Jugendhilfe und Mitarbeitenden aus den Verwaltungen, durch Gespräche mit Bürgermeistern und Stadtverordneten bringen die jungen Leute zwischen 12 und 18 Jahren ihre Ideen ein und machen so die Städte Buttstädt, Kölleda und Rastenberg jugendgerechter“, so Wagner.
Sonderpreis für das Filmprojekt aus JenaEin Film,der die Wahrnehmung und Toleranz für das Thema Flucht und Vertreibung schärft, wurde mit einem weiteren Sonderpreis ausgezeichnet. „Dieser Film setzt ein Gegenzeichnen gegen Pegida und populistische Grundtendenzen“, so die Jury über das Projekt „Lebenswege“ des Vereins „Initiative kinderfreundliche Stadt“ aus Jena. Die Projektteilnehmer haben zunächst über Fluchterfahrungen mit Senioren aus Jena gesprochen, dann mit Zeitzeugen der jüdischen Gemeinde Jena, die sie nach ihren Erfahrungen während der Nazi-Diktatur befragten. Ende 2015 trafen sie dann einige Flüchtlingskinder und erkannten Parallelen in den Fluchterlebnissen, die sie von den jüdischen Senioren und den Flüchtlingskindern gehörten. „Daraus ist ein höchst eindrucksvoller Film entstanden“, hob der Geschäftsführer der Sparkassen Finanzgruppe Hessen-Thüringen, Thomas Wagner, in seiner Laudatio hervor. Und er zitierte einen der Projektteilnehmer, Philipp Matins: „Dieses Projekt führt Betroffene zusammen, die sich in ihrem Alltag sonst nicht begegnen würden: den jugendlichen Flüchtling mit Senioren, die ebenfalls Fluchterfahrungen hinter sich haben.“

Die AuszeichnungenVergeben wurde der Kinder- und Jugendpreis zum achten Mal. Der diesjährige Wettbewerb stand unter dem Motto „Es ist Deine Zukunft – Mitgestalten ist einfach“. Gesucht wurden Projekte zum Thema Wahlen und Demokratie und Vorhaben, mit denen Kindern und Jugendlichen Mitwirkung und Mitgestaltung ermöglicht wird.

Ministerpräsident Ramelow bei der Festrede„Wer das persönliche Umfeld schon früh mitgestalten kann, wer mitbestimmen kann, wie kindgerecht sein Orts- oder Stadtteil ist, wer spürt, dass seine Stimme zählt – bei dem sind die Grundlagen gelegt, sich auch später in die gesellschaftliche Entwicklung einzubringen. Nicht nur, aber auch bei Wahlen“, plädierte Ministerpräsident Bodo Ramelow für eine möglichst frühe Einbindung von Kindern und Jugendlichen in gesellschaftliche Entscheidungsprozesse. Alle nominierten Projekte atmeten diesen Spirit der Gemeinschaft. Junge Menschen würden durch die Mitarbeit fit gemacht, sich mit der Demokratie und dem politischen System auseinanderzusetzen und so schon früh zu Mitgestaltern der Gesellschaft.

Die Präsidentin der Paritätischen BuntStiftung, Evemarie Schnepel, nannte die Projekte „Vorbilder für das Engagement von Jugendlichen und Kindern für die Gemeinschaft.“ Und sie fügte hinzu: „Das Mitgestalten von Gesellschaft kann nicht früh genug anfangen.“

Der Geschäftsführer der Sparkassen Finanzgruppe Hessen-Thüringen, Thomas Wagner, ermunterte die jungen Menschen, bei ihrem Engagement durchaus auch unbequem zu sein und gesellschaftliche Zustände und Entwicklungen kritisch zu hinterfragen. „Das Mitgestalten von Gesellschaft kann nicht früh genug anfangen“.

Fotos: Frank Diehn